Die Ausbreitung multiresistenter Krankheitserreger als Bedrohung der Medizin

(14.02.2014, Pharma-Zeitung.de) Die sogenannten multiresistenten Erreger oder auch MRE-Keime sind besondere Bakterien, gegen die viele Antibiotika nichts ausrichten können, da sie über die Zeit eine Unempfindlichkeit entwickelt haben. Diese Immunität stellt die Medizin noch immer vor große Probleme, denn allein in Deutschland kommt es mittlerweile bereits bei etwa 3,5 Prozent aller Krankenhauspatienten zu Infektionen mit den MRE-Keimen. Gravierende Folgen können aus einer solchen Infektion entstehen, beispielsweise nicht verheilende Wunden, lebensgefährliche Blutvergiftungen oder auch Lungenentzündungen.

Antibiotika damals und heute

Gegen bakterielle Infektionen halfen lange Zeit die allseits gelobten Antibiotika, die ab den 50er Jahren in vielfachen Ausführungen entwickelt wurden, um Bakterien erfolgreich zu bekämpfen. Das Wirkungsprinzip ist dabei vergleichsweise „simpel“: das Antibiotikum verhindert den Aufbau der Zellwände der Bakterien oder zerstört deren Zellmembran. Je nachdem verhindert es außerdem effektiv die Eiweißproduktion der Bakterien oder stört ihren Stoffwechsel. Problematisch wurde der Einsatz von Antibiotika erst, nachdem Wissenschaftler und Mediziner verstärkt auf resistente Bakterienstämme stießen, die beispielsweise mithilfe von Enzymen dafür sorgten, dass das Antibiotikum an Wirksamkeit verlor oder nicht mehr in die Zellwände eindringen konnte. Darüber hinaus sind Bakterien in der Lage, sich in sehr schneller Geschwindigkeit zu vermehren und zu verändern, wodurch sie ihre Resistenzen immer wieder aufs Neue anpassen können – ein einzelnes Antibiotikum wird auf diese Weise schnell unwirksam. Noch problematischer gestaltet sich eine sogenannte Multiresistenz, bei der Bakterienarten nicht nur gegen ein Antibiotikum immun sind sondern direkt mehrere Resistenzen aufweisen. Diese Multiresistenz entsteht durch den Austausch verschiedener Bakterien, wobei auch Gen-Informationen übertragen werden.

Die Bildung von Multiresistenzen

Die gefürchteten multiresistenten Bakterien entstehen insbesondere in Krankenhäusern, denn gerade dort ist mit hoher Übertragungs- und Ansteckungsgefahr zu rechnen. Grund dafür sind die vielen Menschen mit Krankheiten, die häufig nicht leicht zu behandeln sind, allerdings können auch die Ärzte selbst sowie anderes medizinisches Personal oder auch Besucher die Keime verbreiten. Dementsprechend treffen also verschiedenste Erreger auf kleinstem Raum aufeinander und haben die Möglichkeit, ihre Resistenzen mittels Gen-Informationen untereinander auszutauschen. Einer der Hauptgründe für die Entstehung der Multiresistenzen ist jedoch der oftmals unnötige Einsatz von Antibiotika, denn diese werden von Ärzten beispielsweise auch gegen virale Infekte verschrieben, wobei dies nicht einmal einen Nutzen hat – denn gegen Viren kann ein Antibiotikum nichts ausrichten, lediglich Bakterien kann es bekämpfen. Aber auch abseits dessen werden Antibiotika vielfältig genutzt, beispielsweise in der Lebensmittelindustrie. Vor allem das Tierfutter ist mit ihnen gespickt und soll so für bessere Erträge sorgen. Da die dort genutzten Antibiotika den Präparaten aus der Humanmedizin jedoch derart ähnlich sind, entstehen auch hier mannigfaltige resistente Bakterienstämme.

Weitere Gründe für eine Multiresistenz

• Falsche Anwendung – viele Patienten nehmen die verschriebenen Präparate schlichtweg falsch ein. Vorhandene Bakterien werden so nicht vollständig abgetötet und die überlebenden Keime entwickeln daraufhin häufig eine natürliche Resistenz.

• Falscher Einsatz - oft werden sogenannte Breitbandantibiotika verschrieben, die zwar stark wirksam sind, dafür jedoch die natürliche Darmflora zerstören. Daraus folgt, dass sich Krankheitserregern künftig einfacher im Körper ansiedeln können. Zudem sorgt der vorschnelle Einsatz von Breitbandantibiotika dafür, dass diese in einem späteren Ernstfall oftmals wirkungslos sind.

Wer hier übrigens nach einer Alternative sucht, kann statt der künstlichen Variante auch auf pflanzliche Antibiotika zurückgreifen. Immerhin existieren die sogenannten Phytopharmaka schon seit Jahrmillionen auf der Erde und konnten demnach ebenfalls erfolgreich den Kampf gegen Bakterien, Viren und Pilze gewinnen. Bewährt haben sich dabei unter anderen Eukalyptus, Cranberrys oder Kapuzinerkresse, aber auch viele weitere Pflanzen können als Bakterienkiller fungieren. Wer Näheres über die pflanzliche Alternative erfahren möchte, kann sich beispielsweise auf dem Portal www.gesundheitsfrage.net informieren und dort von Erfahrungen aus erster Hand profitieren. Neben allgemeinen Informationen haben Mitglieder der Community außerdem die Möglichkeit, selbst Fragen zu stellen, die anderen Teilnehmern angezeigt und somit schnell und einfach beantwortet werden.

Alte Antibiotika in neuer Verwendung?

Ein sinnvolles Mittel, um den multiresistenten Krankheitserregern den Kampf anzusagen ist in erster Linie sicherlich die Bereitstellung neuer, besserer Antibiotika. Doch die Entwicklung eben dieser Wirkstoffe ist nicht nur teuer, sondern bedarf auch eines langwierigen Prozesses. Unlängst entschloss sich eine Arbeitsgruppe der Universität Tübingen daher dafür, die bereits vorhandenen Therapien lediglich zu optimieren und so wertvolle Zeit zu gewinnen. Die Gruppe um Professor Christoph Mayer vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin entdeckte dabei in Zusammenarbeit mit der Universität Konstanz eine Möglichkeit, um das Antibiotikum Fosfomycin in Zukunft effizienter einzusetzen. Im Detail geht es dabei um die krankheitserregenden Bakterien der Gattung Pseudomonas, die einen wichtigen Baustein ihrer Zellwand recyceln und auf diese Weise die Wirkung des Antibiotikums umgehen können. Aufgrund dieses neuen Wissens über die „inneren“ Geschehnisse im Bakterium wird es den Forschern voraussichtlich möglich sein, künftig bessere Ansatzpunkte für eine gezieltere Wirkung zu finden.
Neue Wirkstoffkombinationen könnten Abhilfe schaffen
In einem nächsten Schritt versuchten die Wissenschaftler eben diesen Recyclingweg für sich zu nutzen und konnten dabei zwei neuartige Gene ausfindig machen, die sie unter Laborbedingungen ausschalteten. Das Fosfomycin wirkte daraufhin deutlich effizienter und konnte die „innere“ Resistenz weitaus besser umgehen. Nach umfassenden Recherchen ergab sich außerdem, dass auch andere Bakterienstämme über eben jene Gene verfügen und den Wirkstoff demnach durch dieselbe Methode abschwächen. Neben diesen wichtigen Ansatzpunkten für die Optimierung des Antibiotikums Fosfomycin wäre es laut Mayer außerdem womöglich ein sinnvoller Schritt, bekannte Antibiotika mit neuen Wirkstoffen zu kombinieren, um so das Recycling innerhalb der Zelle zu hemmen.

Commons.wikimedia.org © Shorelander (CC BY-SA 3.0)


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