Sinn und Zweck der Nabelschnurblut-Einlagerung

(29.04.2014, Pharma-Zeitung.de) Für werdende Mütter stellt sich oftmals die Frage, ob sie Nabelschnurblut einfrieren lassen oder nicht. Von Seiten der Forschung und einigen Firmen wird gesagt, dass die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut in Zukunft zahlreiche Krankheiten heilen können.

Generell gibt es zwei Vorteile: Erstens ist Entnahme des Nabelschnurblutes für Mutter und Kind völlig risiko- und schmerzfrei. Nach der Geburt drückt die Hebamme einfach Blut aus der Nabelschnur. Zweitens sind die Stammzellen noch sehr jung, sodass das Erbgut kaum geschädigt ist. Zudem sind die Stammzellen direkt einsatzbereit, weshalb Kinder mit Leukämie auch eher mit diesen Stammzellen als mit Knochenmarkzellen behandelt werden. Indes stellt sich also berechtigterweise die Frage: Ist es sinnvoll, Nabelschnurblut zur Vorsorge aufzubewahren?

Mittlerweile existieren zahlreiche Unternehmen, die eine Einlagerung der Stammzellen nach der Geburt anbieten. Weltweit haben bereits Millionen Eltern dieses Angebot genutzt, und zwar in der Hoffnung, ihr Kind vor schweren Krankheiten zu schützen. Bevor sich Eltern aber dazu entscheiden, sollten sie sich umfassend beraten lassen.

Wann helfen Stammzellen aus dem Nabelschnurblut?
Bei vererbten Knochenmarkserkrankungen und Blutkrebs können Stammzellen aus der Nabelschnur helfen. Körpereigene Stammzellen sind hierfür ungeeignet. Häufig bilden sich Krebszellen bereits vor der Geburt und können in die Nabelschnur eindringen. Erbkrankheiten können durch eigene Stammzellen nicht geheilt werden, da sie den gleichen Gendefekt tragen. Aus diesem Grund werden in diesen beiden Fällen Stammzellen eines fremden Spenders genutzt.

Bislang sind die Anwendungsmöglichkeiten von Stammzellen aus der Nabelschnur nicht gänzlich geklärt. Beispielsweise laufen derzeit experimentelle Studien für den Typ-1-Diabetes und Hirnschädigung, jedoch gibt es hierzu noch keine aussagekräftigen Ergebnisse. Ob die Therapien zu 100 Prozent wirksam sind, kann niemand vollends bestätigen. Aussagekräftige Ergebnisse sind erst in einigen Jahren zu erwarten. Fakt ist aber, dass es nicht schaden kann, wenn Nabelschnurblut durch ein Fachinstitut eingefroren und aufbewahrt wird.

Alles in Kürze:
- Eigene Stammzellen sind für die Behandlung von Erbkrankheiten ungeeignet, da sie die gleichen Gendefekte aufweisen.

- Häufig bilden sich Vorläufer von Blutkrebs bereits vor der Geburt. Aus diesem Grund befinden sie sich auch in der Nabelschnur, weshalb Stammzellen von fremden Spendern genutzt werden.

- Im Labor ist die Vermehrung von Stammzellen grundsätzlich möglich, jedoch sind die Methoden längst nicht ausgereift.

- In der Regel gibt es in einer einzelnen Nabelschnurblutprobe zu wenige Stammzellen, um einen Erwachsenen zu behandeln.

- Theoretisch können Stammzellen aus Nabelschnurblut jahrzehntelang gelagert werden.

- Bisher ist noch unklar, ob es in Zukunft neue Anwendungsmöglichkeiten und Therapien mit Stammzellen aus Nabelschnurblut gibt.

Welche Therapien gibt es?
Stammzellen aus dem Nabelschnurblut haben sich rasend schnell durchgesetzt. Bisher für die Erkrankung Leukämie eingesetzt, sollen die Stammzellen in Zukunft zahlreiche andere Krankheiten heilen.

Zum ersten Mal wurden die Stammzellen im Jahr 1989 eingesetzt, als ein Junge, der an Fanconi-Anämie erkrankt war, die Stammzellen aus der Nabelschnur seiner Schwester erhielt. Noch heute lebt der Junge.

Trotz dieses Erfolges erlebten die Stammzellen aus der Nabelschnur erst bei der Blutkrebs-Behandlung ihren Durchbruch. Nicht nur leukämiekranke Kinder, sondern auch Erwachsene profitieren mittlerweile von dieser Behandlung.

Ein häufiges Problem bei Transplantationen ist, dass die Stammzellen den Körper des Empfängers attackieren. Nabelschnur-Stammzellen haben den Vorteil, dass sie sehr tolerant sind und seltener dazu neigen. Zudem sind die Auswahlkriterien für Spender nicht so streng. Ebenso vorteilhaft ist, dass die Proben sofort verfügbar sind. Vor allem bei Kindern sind sie eine hervorragende Alternative zur Knochenmarkstransplantation.

Mit Nabelschnurzellen werden neben Leukämien auch seltene Erbkrankheiten wie Immunschwächen, Stoffwechselstörungen oder Anämien behandelt. Jedoch muss auch gesagt werden, dass sich diese Therapien noch in der Entwicklungsphase befinden.

Was soll sich in Zukunft ändern?
In einer Studie versuchen derzeit US-amerikanische Forscher, Kleinkinder mit beginnendem Diabetes mit Nabelschnurblut zu behandeln. Die Ergebnisse zeigen, dass es bei einigen Kindern länger dauert, bis eine Insulingabe erforderlich wird. Aber auch diese Ergebnisse sind noch nicht eindeutig, weshalb die Forscher weitere Versuche für notwendig halten.

In North Carolina gibt es ebenfalls Versuche mit Kindern, die an einer Zerebralparese leiden. Es handelt sich hierbei um eine schwere Lähmung, die durch Hirnschäden versucht wird. In Texas werden Kinder behandelt, die schwere Kopfverletzungen bei einem Unfall erlitten haben. Eine sichere Prognose kann hier nicht abgegeben werden, jedoch sprechen einige Kinder auf die Behandlung an.

Wie läuft eine Nabelschnurblutspende ab?
Für alle Beteiligten – also Mutter und Kind – ist eine Nabelschnurspende ungefährlich, da die Blutentnahme erst nach der Geburt stattfindet. Wenn die Freigabe der Stammzellen für eine Spende erfolgt ist, entstehen für die Eltern keine Kosten, da die DKMS Nabelschnurblutbank unter anderem von Spendengeldern finanziert wird.



Quellen und weitere Informationen:

http://www.seracell.de/hilfe-und-faq/faq/was-sind-adulte-stammzellen

http://berlin.immanuel.de/abteilungen/osteologie-und-stoffwechselerkrankungen/leistungen/krankheitsbilder/erkrankungen-des-knochenmarks/

http://www.fanconi.de/wasistfa.htm

http://www.tk.de/tk/behandeln-a-z/k/knochenmarktransplantation/25902


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