Titelschutz für Hypnotherapeuten

Dauerhafte Fortbildung nötig

(12.11.2013, Pharma-Zeitung.de) KnowHowNow. Im Oktober 2013 gab der Justiziar der Psychotherapeutenkammer bekannt, dass der Begriff „Hypnotherapeut“, bzw. „Hypnosetherapeut“ ein geschützter Berufstitel ist. Für den Interessierten, aber medizinischen Laien ist es schwer, die Seriosität eines Behandelnden einzuschätzen. Selbst medizinische Berufsgruppen wie Ärzte, Zahnärzte und Psychologen wissen oft nicht, welches Fortbildungsangebot bei welcher Fachgesellschaft für sie das geeignete ist. KnowHowKnow hat einen Experten zum Gespräch gebeten. Der Diplom-Psychologe Dr. Lars Pracejus ist klinischer Hypnotherapeut und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie (DGH).

KnowHowNow
Herr Dr. Pracejus, woran erkennt man eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung in Hypnose?

Dr. Lars Pracejus
Wir unterscheiden Fachgesellschaften von sogenannten freien Gesellschaften. Fachgesellschaften, wie die Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie e.V. bieten Fortbildung in klinischer Hypnose für Ärzte, Zahnärzte und Psychologen an. In dieser Interdisziplinarität liegt eine große Stärke der DGH. Die Disziplinen können voneinander profitieren und lernen das fachübergreifende Arbeiten zu schätzen. Anstatt künstliche Grenzen zu ziehen, wo keine sind, reichen sich Kolleginnen und Kollegen in gegenseitiger Wertschätzung die Hand. Die deutschsprachigen Fachgesellschaften für Hypnose haben sich in Dachverbänden zusammengeschlossen. Europaweit ist es die European Society of Hypnosis (ESH), weltweit die International Society of Hypnosis (ISH), die die Einhaltung der Fortbildungsrichtlinien überwachen. Freie Gesellschaften hingegen bilden auch medizinische Laien aus. Hier können bereits in einzelnen Wochenendkursen wohlklingende Titel erworben werden, die wenig Aufschluss über die dahinter stehende Fachkunde geben.

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Sehen Sie folglich einen Unterschied in der Qualität der Weiterbildung, je nach Fachgesellschaft oder freier Gesellschaft?

Dr. Lars Pracejus
Ich kann die Leistung freier Gesellschaften nicht beurteilen, ohne an ihrer Ausbildung teilgenommen zu haben. Wir müssen aber im Auge behalten, dass die medizinische Hypnose einen Weg zu inneren Trancezuständen, Ressourcen (Kraftquellen), Erinnerungen, Erfahrungen und gegebenenfalls auch vergangenen Traumata darstellt. Der Patient gestaltet seinen Zustand immer selbst mit, was die ablaufenden Prozesse in Hypnose für den Therapeuten schwer kontrollierbar macht. Der Therapeut sollte daher aufgrund seiner medizinisch-psychologischen Grundausbildung versiert genug sein, um bei solchen unvorhersehbaren Geschehnissen souverän zu agieren und über therapeutische Interventionen verfügen, um handeln zu können. Ein medizinischer Laie wird diese Voraussetzung nicht im gleichen Umfang mitbringen.

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Können wir demnach die Hypnose-Angebote auf dem Markt in die zwei Gruppen der ärztlichpsychologischen Anwender und der unseriösen Angebote unterteilen?

Dr. Lars Pracejus
Diese Unterteilung ist sicher sehr strikt. Es gibt Berufsgruppen medizinischer Hilfsberufe, für deren Arbeit Grundkenntnisse in suggestiver Formulierung, imaginativen Verfahren sowie Trance und Hypnose sicher hilfreich sind. Hierzu zählen Pflegeberufe, Zahn-/Arzthelferinnen, Hebammen und einige andere mehr. Aber die DGH bildet nur Berufsgruppen aus, die die Erlaubnis zur selbständigen Ausübung der Heilkunde nach einem Berufsgesetz haben. Außer den bereits genannten Ärzten und Psychologen umfasst dieses Kriterium auch approbierte Kinder- und Jugendpsychotherapeuten.

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Wie sieht das Weiterbildungsangebot der DGH konkret aus?

Dr. Lars Pracejus
Die DGH betreibt zwölf Fortbildungszentren, die sich über ganz Deutschland verteilen. Hier wird ein breites Angebot an Grund-, Fortgeschrittenen- und Therapiekursen sowie qualifizierte Supervision angeboten. Die DGH veranstaltet einmal im Jahr einen Kongress mit einem vielfältigen Angebot. Knapp 60 Workshops und zehn Vorträge zeigen jährlich das umfangreiche Spektrum hypnotherapeutischer Anwendung. Weiterhin gibt es themenbezogene Tagungen, in denen spezielle Expertise vermittelt wird (z. B. Raucherentwöhnung, Psychoonkologie).

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Sie arbeiten selbst als Dozent in der Fortbildung der Hypnotherapie. Was macht Ihr Zentrum für Fachleute interessant?

Dr. Lars Pracejus
Im „Zentrum Mitte“ in Darmstadt startet jährlich ein Curriculum, das die für die Zertifizierung notwendigen Grund- und Fortgeschrittenenkurse umfasst. Im vergangenen Jahr haben wir unser Therapiekursangebot erweitert und zusätzliche Dozenten gewinnen können. Wir sind ein interdisziplinäres Team aus erfahrenen Hypnotherapeuten und arbeiten bewusst nicht nur mit einem einzelnen Trainer in der Fortbildung. Dadurch können Teilnehmende individuell variierende hypnotherapeutische Stile kennen lernen, die sich gegenseitig bereichern und ergänzen. Kursteilnehmer schätzen die fachliche Vielfalt, kleine Fortbildungsgruppen, die konsequente Ausrichtung auf aktives Üben in Zweiergruppen und die Gelegenheit zur hypnotischen Selbsterfahrung. Unsere Teilnehmer kommen überwiegend aus dem Rhein-Main-Gebiet, dem Main-Taunus-Kreis, generell aus Hessen, zum Teil aber auch aus dem Rheinland, der Pfalz oder Thüringen.

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Wie umfangreich gestaltet sich denn der Weiterbildungsprozess für interessiertes Fachpersonal?

Dr. Lars Pracejus
Ein Teilnehmer, der ein Wochenende pro Monat in die Fortbildung investiert, könnte theoretisch in zwei bis drei Jahren die Fortbildung mit dem Titel in „medizinischer Hypnose“, „zahnmedizinischer Hypnose“ oder als „klinischer Hypnotherapeut“ abschließen. Dieser Zeitplan wäre aber sehr knapp gewählt. Praktisch ist es so, dass die erlernten therapeutischen Fertigkeiten in eigener klinischer Erfahrung angewandt und in Supervision vorgestellt werden. Meist wird die Fortbildung berufsbegleitend absolviert und erstreckt sich über drei bis fünf Jahre.

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Wie aktuell ist denn das vermittelte Wissen?

Dr. Lars Pracejus
Die Titel, die erworben werden können, sind keine Titel auf Lebenszeit. Der Inhaber ist verpflichtet, sich in kontinuierlicher Weiterbildung auf dem Stand der Forschung zu halten. Hierzu fordert der Dachverband regelmäßig Nachweise über absolvierte Kurse. Gleiches gilt für die Titel als „Dozent“ oder „Supervisior“.

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Wie erfahren Interessenten aus der Branche mehr?

Dr. Lars Pracejus
Unser Zentrum betreibt und aktualisiert die Seite www.hypnoseausbildung.de. Hier finden sich Informationen zur Fortbildung und Zertifizierung, Anmeldung für alle Kurse und Supervisionen. Inzwischen betreiben wir in Facebook auch eine Fanpage (DGH Mitte), die sich mit „gefällt mir“ abonnieren lässt.

KnowHowNow
Wir danken Ihnen für das Gespräch.

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