(KHN // Gesundheit & Medizin, 'Was tun gegen Flöhe?') Im Expertengespräch: Bernd Schmidt der Tierärztlichen Praxisgemeinschaft Borken und Wabern, über den berühmtesten Parasiten der Welt – den Floh.

(10.05.2011, Pharma-Zeitung.de) (KnowHowNow) Der Sommer kommt und bringt die Flöhe mit. Haustierbesitzer und besonders Hundehalter sind hiervon betroffen. Doch sind die Folgen und Ursachen von Flohbefall den wenigsten Frauchen und Herrchen bekannt.

KnowHowNow befragt Bernd Schmidt, Veterinär der hessischen Praxisgemeinschaft Borken und Wabern mit den Tierärzten Dr. Weber, Mangold und Pfannes, über den wahrhaft meist gesuchten Parasiten der Welt: Den Floh.

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KHN // Herr Schmidt, als aktiver Tierarzt in einer großen Praxisgemeinschaft sind Sie mit den Sorgen und Nöten rund um das Tier betraut. Welchen Stellenwert haben gängige Befunde wie beispielsweise Flohbefall bei Hunden im Vergleich zu anderen Erkrankungen von Tieren?

Schmidt // Flohbefall ist besonders in der wärmeren Jahreszeit ein SEHR häufiger Befund. Üblicherweise werden alle Tiere, die nach draußen gehen und nicht vorbeugend behandelt sind von Flöhen befallen.

KHN // Ist Flohbefall überhaupt gefährlich?

Schmidt // Früher waren Rattenflöhe maßgeblich an der Ausbreitung der Pest beteiligt. Heute gehen von den bei uns im wesentlichen vorkommenden Föhen (Katzenfloh, Igelfloh, Hundefloh) keine derartigen Gefahren mehr aus.

"Unsere" Flöhe verursachen durch ihren Stich eine kleine Wunde, mit mehr oder weniger starken Juckreiz. Dies kann zu sekundären Verletzungen durch Kratzen führen. Durch Flohstiche können auch Bakterien übertragen werden, durch die die Gefahr von Entzündungen an den Stich- oder Kratzstellen ausgeht.

Als wesentlich unangenehmer ist eine sogenannte Flohspeichel-Allergie. Durch wiederholte Sensibilisierung durch Flohspeichel kann eine sehr unangenehme Allergie entstehen. Ein einziger Flohstich führt zu extremen Juckreiz am ganzen Körper.

KHN // Woran merke ich, dass mein Haustier Flöhe hat?

Schmidt // Zunächst fällt üblicherweise ein verstärkter Juckreiz bei Ihrem Haustier auf, da zum einen die krabbelnden Flöhe irritieren und zum anderen die Stiche Juckreiz ähnlich einem Mückenstich verursachen. Manchmal sieht man auch Flöhe. Diese sind dunkelbraun, ca. 2-3 mm lang und 0,5 - 0,8 mm breit. Sie bewegen sich recht schnell. Charakteristisch ist das enorme Sprungvermögen. Wenn sie also einen Floh sehen und er springt weg, dann ist das typisch. Nicht immer findet man jedoch im dichten Fell unserer Haustiere erwachsene - adulte – Flöhe. Sehr viel häufiger gelingt der indirekte Flohnachweis. Nämlich das Auffinden von Flohkot im Fell. Beim Scheiteln des Fells oder mit Hilfe eine speziellen Floh- oder Läusekamms lassen sich schwarze "Krümel" auffinden. Der Beweis, dass es sich um Flohkot handelt gelingt, wenn man diese Krümel auf einem weißen Tuch - Papiertaschentuch, Küchenpapier, o.ä - anfeuchtet. Bei Flohkot handelt es sich um geronnenes Blut, dass sich dann bräunlich-rötlich auflöst.

KHN // Kann mein Haustier die Flöhe auf mich übertragen?

Schmidt // Üblicherweise bleiben Flöhe auf dem Tier. Sie fühlen sich dort im dichten Fell am wohlsten. Wenn jedoch der Flohdruck auf einem Tier zu groß wird, d.h. es sind so viel Flöhe auf dem Tier, dass diese nicht mehr alle satt werden, suchen sich Flöhe auch mal den Menschen als Wirt aus. Ein weiteres Szenario wäre, wenn der Hund oder die Katze gelegentlich mit im Bett schläft. Jetzt stellen Sie oder Ihr Tierarzt fest, das Tier hat Flöhe. Aus verständlicher Abneigung gegen diese Parasiten beschließen Sie, das Tier nicht mehr ins Schlafzimmer zu lassen. Diese wäre ein großer Fehler, da jetzt die Flöhe und deren Entwicklungsstadien nicht mehr auf das Tier kommen. Also müssen sie den Menschen befallen!

KHN // Stimmt das Gerücht, dass man sich durch Entfernung aller Körperhaare von Flöhen befreien kann?

Schmidt // Durch Entfernen aller Körperhaare vermindert man zwar das "Wohlbefinden" der Flöhe auf dem Körper. Aber "Befreiend" wirkt das nicht. Ein Floh wird sicher Blut saugen, wenn er hungrig ist, ohne Rücksicht auf sein Wohlbefinden. Und eine "Befreiung" von Flöhen ist erst dann gelungen, wenn auch die Umgebung flohfrei ist.

KHN // Sollte ich also den Kontakt mit meinem Haustier meiden?

Schmidt // Nein! Das würde gar nichts bringen. Flöhe befinden sich nicht dauerhaft auf Ihrem Tier. 99% einer Flohpopulation (erwachsene Flöhe, Larven, Eier) halten sich in der Umgebung auf. D.h Sie müssten auch die Umgebung des Haustieres meiden. Sie dürften dann aber auch nicht mehr nach draußen, da dort die Umgebung beispielsweise von Igeln ist, die sehr häufig und wirklich üppig mit Flöhen befallen sind. Zudem sorgt der Kontakt zum Haustier dafür, dass sich auf den Menschen "verirrte" Flöhe alsbald wieder auf das Tier flüchten.

KHN // Was kann ich gegen die Flöhe tun?

Schmidt // Flohbekämpfung ist immer mehrgleisig. Zum einen gilt es, die Flöhe auf dem Haustier abzutöten und möglichst einen erneuten Befall zu verhindern. Zweitens muss immer eine Umgebungsbehandlung erfolgen.

Für die Flohbekämpfung am Tier hält Ihr Tierarzt einige hochwirksame Präparate bereit. Je nach Lebensumstand des Haustieres wird ein oder mehrere geeignete Präparate ausgewählt und angewandt. Hier ist eine gezielte Beratung sehr hilfreich, da nicht alle Präparate für alle Tiere gleich gut geeignet sind.

ZB. macht es wenig Sinn, einem Hund, der vielleicht mehrmals täglich badet, ein Präparat zu geben, dass auf die Haut geträufelt wird. Oder einer Katze, die Freigang hat und gern auf Bäume klettert, ein Halsband umzulegen.

Durch die Umgebungsbehandlung reicht in den meisten Fällen ein Staubsauger aus. Gründliches Absaugen der Umgebung, besonders Teppiche und Polster in einem Arbeitsgang und Entsorgung des Müllbeutels nach draußen bringt schon sehr viel.

Man muss jedoch wissen, dass Flöhbekämpfung nicht mit einer einzigen Behandlung zu machen ist. Es sind durchaus 6- 12 Wochen, je nach Umstand, einzuplanen.

KHN // Muss ich bei einem Flohbefall direkt einen Arzt aufsuchen?

Schmidt // Nicht unbedingt. Einen Arzt sollten Sie auf jeden Fall aufsuchen, wenn Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion auf Flohstiche entwickeln. Diese sind üblicherweise nicht so heftig wie eine Bienenstichallergie, aber das sollte im Zweifelsfall ein Arzt beurteilen. Flöhe fühlen sich - wie bereits erwähnt - beim Menschen nicht sehr wohl. Menschen haben ein viel zu dünnes "Fell", um sich gut verstecken zu können. Zudem übertragen Flöhe so gut wie keine ansteckenden Erkrankungen auf den Menschen. Jedenfalls nicht in unseren Breiten.

KHN // Kann ein erneuter Flohbefall auftreten?

Schmidt // Ganz klar ja! Denn die Flöhe auf dem Tier sind nicht vom Himmel gefallen. Das Tier hat sie sich irgendwo eingefangen. Wird das Tier nicht durch vorbeugende Maßnahmen geschützt, kann es sich jederzeit wieder anstecken.

KHN // Kann ich gegen Flohbefall vorbeugende Maßnahmen treffen?

Schmidt // Die meisten Präparate zur Flohbekämpfung haben auch eine vorbeugende Wirkung. Besonders in wärmeren Jahreszeiten ist unbedingt eine solche Prophylaxe anzuraten. Auch hier gibt es verschiedene Formulierungen, über die Sie Ihr Tierarzt gern berät.

KHN // Schaden Flöhe meinem Haustier nachhaltig oder akut?

Schmidt // Das kommt darauf an. Ein geringwertiger Befall mit Flöhen wird von unseren Haustieren sehr oft ohne Probleme toleriert und es kommt auch nicht zu Schäden. Vorsicht ist jedoch bei hochgradigem Befall geboten: Dieser kann zur Blutarmut führen, da Flöhe genau dieses Blut saugen. Bei sehr vielen Flöhen kann dieser Blutverlust durch die Flöhe bedeutsam werden. Ältere und ansonsten auch bereits kranke Tiere leiden unter Flöhen erheblich mehr als junge und gesunde Tiere.

Auch ist wie erwähnt bekannt, dass Flohstiche allergische Reaktionen auslösen können. Hier kann bereits 1 Flohstich massiven Juckreiz auslösen.

KHN // Schaden die Antiflohmittel der Gesundheit meines Haustiers?

Schmidt // Die Medikamente gegen Flöhe sind weitgehend unbedenklich. Warum die Einschränkung „weitgehend“? Es kommt schon in seltenen Fällen zu unerwünschten Wirkungen. Dies vor allem bei unsachgemäßem Gebrauch. Eine korrekte Anwendung eines geeigneten Präparats birgt nur ein extrem kleines Risiko. Eine Beratung von Tierarzt ist hier stets die richtige Wahl.

KHN // Kann ein 100%iger Erfolg durch die Mittel erzielt werden?

Schmidt // 100% ist ein großes Wort. Kein Hersteller eines Medikaments wird eine 100%-Wirkung garantieren. Zudem sind immer zusätzliche Maßnahmen, wie die angesprochene Umgebungsbehandlung unabdingbar. Nach meiner Einschätzung ist eine Flohbekämpfung, die sachgerecht, professionell und mit geeigneten Mittel durchgeführt wird, höchstgradig erfolgversprechend.

KHN // Gibt es besonders betroffene Regionen und wo/wann/wie/warum wird ein Haustier überhaupt von Flöhen befallen?

Schmidt // Flöhe sind Parasiten. D.h. sie sind zum Überleben auf andere Lebewesen angewiesen.

Flöhe gibt es weltweit überall, wo warmblütige Tiere leben. Normalerweise hat jede Spezies auch ihre eigene Flohart. Hundefloh, Katzenfloh, Hühnerfloh, Menschenfloh. Diese Arten sind jedoch nicht wirtsspezifisch, d.h. Sie können auch auf anderen Wirten leben. Großes Reservoir in unseren Breiten sind sicher freilebende Tiere, die gleiche Räume wie unsere Haustiere nutzen. Ganz vorn der Igel in unseren Gärten, aber auch Füchse, Waschbären & Co.

Da Flöhe nur zeitweise auf ihrem Wirt sitzen und sich sonst in der Umgebung aufhalten, ist klar, dass sich Hunde, Katzen, Kaninchen usw. , die Freilauf im Garten haben, wo sich auch Igel tummeln, die Flohstadien aus der Umgebung einfach aufsammeln. Flöhe können bis zu 1 Jahr hungern. Wenn dann etwas „Warmes“ vorbeikommt, werden sie schlagartig wach und haben natürlich großen Hunger, befallen Tier oder Mensch und schon geht's Leben weiter.

KHN // Welche Entwicklungsstation durchlaufen Flöhe – beispielsweise im Fell der Hunde unserer Leser?

Schmidt // Ein Flohzyklus dauert bei Temperaturen um die 20 – 24 °C ca. 3-4 Wochen. Der Floh entwickelt sich vom Ei zur Larve. Die Larve ernährt sich von organischen Abfällen verschiedener Art, aber vor allem vom Kot der adulten Flöhe, welcher gewöhnlich viel unverdautes Blut enthält.

Das Larvenwachstum erfolgt in 3 Stadien, danach kommt das Puppenstadium (vollkommende Metamorphose), was dann den erwachsenen Floh hervorbringt.

Flöhe vermehren sich explosionsartig: ein Flohweibchen legt bis zu 2.000 Eier. Und das alle 3- 4 Wochen. Nettes Szenario - so in der Wohnstube, oder?

KHN // Herr Schmidt, wir danken Ihnen für ein aufschlussreiches und zudem unterhaltsames Gespräch.

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Bernd Schmidt ist Tierarzt der Praxisgemeinschaft Borken und Wabern in Hessen. Er steht für Beratung und Nachfrage zur Thematik persönlich zur Verfügung.

Mangold - Schmidt - Dr. Weber

Aussiger Str. 3

34590 Wabern

05683/9981-0

www.ihrtierarzt.info

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Experten-Interview 'Was tun gegen Flöhe?', Im Gespräch Bernd Schmidt. Praxis: Aussiger Str. 3, 34590 Wabern. Tierarzt aus Wabern und Spezialist für Klein- und Haustiere, Hessen.

Interviewkennung bei Rückfragen an KnowHowNow: med/0002

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