Neue Leitlinie zur Prostatavorsorge: Was Männer ab 45 wissen müssen

(03.09.2025, Pharma-Zeitung.de) Ab dem 45. Lebensjahr wird Männern nun eine regelmäßige Prostatavorsorge empfohlen – so die aktualisierten Leitlinien-Empfehlungen. Medizinisch sinnvoll, doch die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen steht noch in den Sternen.
Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm, einer der Hauptautoren der neuen Leitlinie, erklärt im Interview, was sich ändert – und welche Konsequenzen das für Patienten hat.
Die Leitlinie zur Früherkennung, Diagnostik und Therapie von Prostatakrebs wurde aktualisiert. Was ändert sich dadurch für die Patienten?

Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm: Das Kapitel zur Früherkennung und zur Diagnostik wurde grundsätzlich überarbeitet. Das heißt, wir haben neue Empfehlungen herausgegeben – insbesondere empfehlen wir die rektale Tastuntersuchung nicht mehr für die Früherkennung.
Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm

Weshalb nicht?

Grimm: Weil sie dafür nicht geeignet ist. Das Problem dabei: Die meisten Tumoren können durch eine Tastuntersuchung eben nicht früh erkannt werden. Es gibt also immer wieder falsch negative Befunde. Auf der anderen Seite ertasten wir manchmal Verhärtungen, die als krebsverdächtig eingestuft werden, aber kein Krebs sind. Das heißt, wir haben obendrein noch eine ganze Reihe falsch positiver Befunde, die dann zu unnötigen Biopsien führen. Dieses Problem ist nicht ganz neu.

Was empfehlen Sie anstelle der Tastuntersuchung?

Grimm: Einen PSA-Test, also einen Bluttest, der das prostataspezifische Antigen misst. Wenn der Wert über 3 liegt, empfehlen wir eine weitere Abklärung. Früher geschah dies ab einem Wert von 4 durch eine Biopsie, doch auch hier empfehlen wir nun ein anderes Vorgehen.

Welches?

Grimm: Zunächst sollte ein erhöhter PSA-Wert durch eine zweite Kontrolle bestätigt werden. Denn es gibt auch Störfaktoren, die zu einem erhöhten Wert führen können, ohne dass eine Krebserkrankung vorliegt. Wenn jemand zum Beispiel sehr lange Fahrrad fährt, dann wird dadurch mehr PSA ins Blut freigesetzt. Solche Faktoren sollte man möglichst eliminieren und dann erneut messen. Bleibt der Wert erhöht, dann empfehlen wir, zunächst eine Risikoabschätzung zu machen.

Was heißt das?

Grimm: Ein Beispiel: Jemand hat einen PSA-Wert von 5. Dann überlege ich als Urologe, ob das am ehesten auf ein Karzinom zurückzuführen ist oder ob da auch andere Ursachen eine Rolle spielen können. Wenn etwa jemand eine sehr große Prostata hat, dann produziert sie in der Regel mehr PSA als eine kleine Drüse. Die Prostata ist das einzige Organ, das PSA produziert. Der Urologe würde also das Prostata-Volumen messen und daraus die PSA-Dichte ableiten. Das ist ein Faktor. Aber auch die Familienanamnese ist wichtig – wenn Prostata-Krebs in der Familie bereits vorkam, dann besteht ein höheres Risiko und wir empfehlen eher eine weitere Abklärung. Es gibt übrigens Risikokalkulatoren als App, mit denen man das Risiko ermitteln kann – einer davon ging aus einer großen europäischen Screening-Studie hervor, in die 170.000 Männer eingeschlossen waren. Das Ergebnis kann eine Grundlage für den Urologen sein, um seinen Patienten über weitere Schritte zu beraten.

Nehmen wir an, es besteht ein erhöhtes Krebsrisiko. Wie geht es dann weiter?


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