Neues Massenspektrometer zur Analyse von Silikonöl-Leckagen in Gefriertrocknern

(06.05.2026, Pharma-Zeitung.de) Die Gefriertrocknung (Lyophilisation) zählt zu den kritischsten Prozessschritten in der Herstellung steriler Arzneimittel. Insbesondere bei biopharmazeutischen Produkten und parenteralen Darreichungsformen ist die Prozessstabilität entscheidend für Qualität, Wirksamkeit und Patientensicherheit. Mit der Überarbeitung des EU-GMP-Leitfadens, konkret EudraLex Volume 4, Annex 1 im Jahr 2024, wurden die Anforderungen an die Überwachung und Kontrolle aseptischer Prozesse deutlich verschärft. Nach Ablauf der Übergangsfristen stehen pharmazeutische Hersteller vor der Aufgabe, ihre bestehenden Systeme entsprechend anzupassen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt der Einsatz analytischer Inline- und Atline-Verfahren zunehmend an Bedeutung. Ein neu vorgestelltes Massenspektrometer der Pharmbiocon GmbH adressiert gezielt die Detektion von Silikonöl-Leckagen in Gefriertrocknungsanlagen und zielt damit auf eine bislang schwer zu überwachende Schwachstelle im Prozess.

Technologischer Hintergrund: Massenspektrometrie im Produktionsumfeld

Massenspektrometer sind etablierte Analyseinstrumente, die Moleküle anhand ihres Masse-zu-Ladung-Verhältnisses (m/z) identifizieren und quantifizieren können. Der grundlegende Aufbau umfasst drei zentrale Komponenten:

Ionisationsquelle: Hier werden die Moleküle der Probe in geladene Teilchen (Ionen) überführt. Je nach Anwendung kommen unterschiedliche Ionisationsverfahren zum Einsatz, beispielsweise Elektronenstoßionisation oder chemische Ionisation.
Massenanalysator: Dieser trennt die erzeugten Ionen entsprechend ihres m/z-Verhältnisses. Häufig eingesetzte Bauformen sind Quadrupol-, Flugzeit- (TOF) oder Ionenfallen-Analysatoren.
Detektor: Erfasst die Intensität der Ionen und generiert daraus ein Massenspektrum, das Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung erlaubt.

Im Kontext der Gefriertrocknung wird diese Technologie genutzt, um flüchtige oder semi-flüchtige Substanzen im Prozessgasstrom zu identifizieren. Silikonöle, die typischerweise als Wärmeträgerflüssigkeit in den Regalsystemen von Lyophilisatoren eingesetzt werden, stellen dabei ein spezifisches Risiko dar.

Problemstellung: Silikonöl-Leckagen in Lyophilisatoren

Silikonölkreisläufe sind essenziell für die präzise Temperatursteuerung während der Primär- und Sekundärtrocknung. Leckagen können jedoch dazu führen, dass Silikonöl oder dessen Abbauprodukte in den Prozessraum gelangen. Dies birgt mehrere Risiken:

Produktkontamination: Selbst kleinste Mengen können die Qualität steriler Arzneimittel beeinträchtigen.
Regulatorische Abweichungen: Gemäß Annex 1 müssen potenzielle Kontaminationsquellen identifiziert, überwacht und kontrolliert werden.
Prozessunterbrechungen: Im Falle einer Kontamination sind häufig aufwendige Reinigungs- und Validierungsmaßnahmen erforderlich.

Die Herausforderung liegt darin, solche Leckagen frühzeitig und zuverlässig zu erkennen, idealerweise während des laufenden Betriebs.

Lösungskonzept: Spezialisierte Massenspektrometrie

Das von Pharmbiocon vorgestellte Massenspektrometer ist speziell auf die Anforderungen von Gefriertrocknungsprozessen ausgelegt. Es ermöglicht die kontinuierliche oder periodische Analyse der Prozessatmosphäre innerhalb des Lyophilisators.

Ein zentraler Vorteil liegt in der hohen Empfindlichkeit und Selektivität der Methode. Silikonölbestandteile, insbesondere niedermolekulare Siloxane, lassen sich anhand charakteristischer Massensignaturen eindeutig identifizieren. Dadurch können selbst kleinste Leckagen detektiert werden, bevor sie zu einer relevanten Kontamination führen.

Das System ist so konzipiert, dass es an bestehende Anlagen unterschiedlicher Hersteller angebunden werden kann. Dies reduziert den Implementierungsaufwand und ermöglicht eine Nachrüstung im Bestand. Die Integration erfolgt unter Berücksichtigung der jeweiligen Anlagenkonfiguration, etwa hinsichtlich Probenahmepunkten und Schnittstellen zur Prozessleittechnik.

Einsatzbereiche in Produktion und Qualitätssicherung

Die Anwendungsmöglichkeiten des Systems erstrecken sich über mehrere Bereiche:

In-Prozess-Monitoring: Kontinuierliche Überwachung der Prozessgase während der Gefriertrocknung
Anlagenqualifizierung: Unterstützung bei IQ/OQ/PQ durch Nachweis der Systemintegrität
Fehleranalyse: Identifikation von Ursachen bei Abweichungen oder Kontaminationen
Wartung und Instandhaltung: Früherkennung von Verschleiß oder Dichtungsproblemen im Silikonölkreislauf

Darüber hinaus können mobile Messstationen eingesetzt werden, um temporäre Analysen direkt vor Ort durchzuführen. Dies ist insbesondere für Unternehmen ohne eigene analytische Infrastruktur relevant.

Regulatorische Einordnung

Die Anforderungen aus EU-GMP Annex 1 betonen die Notwendigkeit einer risikobasierten Kontrolle kritischer Prozessparameter. Dazu gehört auch die Überwachung potenzieller Kontaminationsquellen. Der Einsatz von Massenspektrometrie kann hier einen wichtigen Beitrag leisten, da sie eine direkte, analytische Nachweisführung ermöglicht.

Auch im Kontext von Inspektionen durch Behörden wie die EMA oder FDA gewinnt die Verfügbarkeit belastbarer Prozessdaten an Bedeutung. Systeme, die eine lückenlose Dokumentation und Rückverfolgbarkeit ermöglichen, unterstützen die Einhaltung von Compliance-Vorgaben.

Wichtig ist dabei, dass die eingesetzten Systeme selbst qualifiziert und validiert sind. Dazu zählen unter anderem:

Kalibrierung und Systemeignungstests
Datenintegrität gemäß ALCOA-Prinzipien
Integration in bestehende Qualitätssicherungssysteme
Einordnung in aktuelle Branchentrends

Die Einführung spezialisierter Analytiklösungen wie der beschriebenen Massenspektrometrie steht im Einklang mit mehreren Entwicklungen in der Pharmaindustrie:

Automatisierung: Zunehmende Integration von Sensorik und Analytik in den Produktionsprozess
Digitalisierung: Nutzung von Echtzeitdaten zur Prozesssteuerung und -optimierung
Quality by Design (QbD): Systematisches Verständnis und Kontrolle von Prozessparametern
Continuous Manufacturing: Auch wenn Gefriertrocknung meist batchweise erfolgt, steigt der Bedarf an kontinuierlicher Überwachung

In diesem Kontext trägt die Technologie dazu bei, Prozesse transparenter und robuster zu gestalten.

Fazit

Die Detektion von Silikonöl-Leckagen in Gefriertrocknungsanlagen stellt eine bislang schwer zu adressierende Herausforderung dar. Mit dem Einsatz spezialisierter Massenspektrometer steht nun eine analytisch fundierte Methode zur Verfügung, die eine frühzeitige Erkennung und damit eine proaktive Prozesskontrolle ermöglicht.

Insbesondere vor dem Hintergrund verschärfter regulatorischer Anforderungen bietet die Technologie einen klaren Mehrwert für Qualitätssicherung und Compliance. Gleichzeitig unterstützt sie die Effizienzsteigerung, indem ungeplante Stillstände und aufwendige Nacharbeiten vermieden werden können.

Die praktische Umsetzung erfordert jedoch eine sorgfältige Integration in bestehende Systeme sowie eine entsprechende Qualifizierung. Wenn dies gelingt, kann die Massenspektrometrie einen wichtigen Beitrag zur Stabilität und Sicherheit der pharmazeutischen Produktion leisten – auch wenn die Implementierung im Detail durchaus komplex sein kann und eine enge Abstimmung zwischen Technik, Qualität und Produktion erforderlcih ist.


Über Pharmbiocon GmbH

Pharmbiocon GmbH ist ein mittelständisches, inhabergeführtes Unternehmen mit Sitz in Bad Endbach (Nähe Marburg, Hessen, Deutschland), das die Pharma- und Life-Science-Industrie beliefert. Neben Analyse-Equipment (Massenspektrometer) gehören GMP-Beratungen (Good Manufacturing Practice), Labor-Dienstleistungen (Consulting, Lohnfertigung u.a.m.), Engineering-Services (Konzeption, Planung und Realisierung von Anlagen) sowie Schulungen zum Portfolio. Man verfügt über mehr als 20 Jahre Branchenkenntnisse und sehr erfahrenes, größtenteils promoviertes Fachpersonal.

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Holger Dietz (Sales Manager)
Tel. +49 (0)2776 / 921 989 200
holger.dietz@pharmbiocon.com
www.pharmbiocon.com




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Pharmbiocon Massenspektrometer
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