Unterschied zwischen Burnout-Syndrom und Depressionen

Zwei verschiedene Diagnosen? Expertise im Ratgeber Gesundheit von KHN: Dr. Lars Pracejus, Psychologe und Hypnotherapeut

(05.03.2012, Pharma-Zeitung.de) Aus Angst um ihren Arbeitsplatz arbeiten immer mehr pausenlos und gönnen sich kaum eine ruhige Minute.

(KnowHowNow - Bode, Gießen) Nach anfänglichen Ermüdungserscheinungen setzen bald auch stärkere physische Auswirkungen ein: Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit. Doch vielen wird erst mit einem Kollaps bewusst, wie ernst die Situation ist: Diagnose Burnout.
Aber worin besteht der Unterschied zwischen dem immer häufiger auftretenden Burnout-Syndrom und Depressionen? Was sind die Gründe und Folgen? Und welche Rolle spielen hierbei die berufliche Situation und gesellschaftliche Umstände?

Der Experte Dr. Lars Pracejus, Diplom-Psychologe und Hypnotherapeut aus dem hessischen Gießen, erläutert die verschiedenen Umstände, die zur jeweiligen Diagnose führen.

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KnowHowNow
Was können Sie uns allgemein über die Thematik berichten? Natürlich stellt man sich nun die Frage: Welche Unterschiede sind zwischen Burnout und Depressionen auszumachen? Oder ist Burnout nur eine bestimmte Form von Depressionen?

Dr. Lars Pracejus
Die Fachwelt ist in diesem Punkt noch uneinig. Während das klinische Bild der Depression schon etabliert und in den Kriterienkatalogen definiert ist, ist die Diagnose Burnout noch relativ neu. Es gibt hierfür noch keine klar abgrenzbaren Symptome oder gar standardisierte Testverfahren. Erste Annahmen gehen dahin, dass anhaltende Überforderung durch Arbeitsüberlastung zum Burnout führt. Wenn dann der chronische Stress anhält, kann es zu verschiedenen körperliche oder psychischen Erkrankungen kommen, wie z.B. einer Depression.

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Was sind die ersten Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung und ab welchem Zeitpunkt ist es sinnvoll, einen Arzt zu konsultieren?

Dr. Lars Pracejus
Behandlungsbedarf wird dann gegeben sein, wenn sich eine Chronifizierung einstellt. Jeder von uns ist mal einer Zeit der intensiven Beanspruchung ausgesetzt: Prüfungsvorbereitung, ein Projekt, welches fertig werden muss, zusätzliche und unvorhergesehene private Aufgaben. Das alleine ist noch nicht schlimm.

KnowHowNow
Welche zusätzlichen Faktoren führen dann zum Burnout, wenn nicht alleine die Arbeitsauslastung?

Dr. Lars Pracejus
Wenn allein viel Arbeit zum Burnout führen würde, dann müsste ja jede Führungskraft im mittleren oder gehobenen Management ein Burnout haben. Tatsächlich sind aber spezielle Berufsgruppen besonders gefährdet: Kindergärtner, Telefonisten, Sozialarbeiter, Lehrer. Hier kommen zusätzliche Faktoren ins Spiel wie Idealismus, strikte Vorgaben, Zeitdruck, Kontrolle durch Supervisoren, geringe Anerkennung und wenig Möglichkeiten der eigenen Einflussnahme.

KnowHowNow
Gibt es Möglichkeiten Burnout vorzubeugen, ohne finanziell darunter leiden zu müssen? Viele Menschen sind schließlich finanziell auf ihre Arbeit angewiesen und bangen um ihren Arbeitsplatz.

Dr. Lars Pracejus
Sie sprechen dabei das Problem an, dass ein Teil der Gesellschaft zu viel arbeitet und ein anderer Teil arbeitslos ist. Beides kann auf eine eigene Art psychisch belastend sein. Wenn jemand mit der Frage kommt, wie er leistungsfähiger werden kann, um mehr zu leisten, kann je nach Fall die Antwort lauten „Machen Sie weniger“. Es geht um Psychohygiene und Work-Life-Balance und nicht darum, noch mehr Raubbau an der eigenen Gesundheit zu betreiben. Ein Burnout ist ein Alarmsignal. Wenn die logische Konsequenz ist, das Arbeitspensum zu reduzieren, dann kann das finanzielle Einbußen bringen. Anders herum formuliert: Das Geld nützt demjenigen nichts, wenn er chronisch erkrankt.

KnowHowNow
Interessant ist natürlich auch die Frage, ob sich Differenzen innerhalb der sozialen Schicht bemerkbar machen. Gerade in diesem Feld setzt auch an vieler Stelle die Diskussion an. Kann man einfach behaupten, dass typische Angestellte eher unter Depressionen leiden, während Akademiker oder Unternehmer, beispielsweise, mit Burnout zu kämpfen haben? Woher stammt diese Annahme?

Dr. Lars Pracejus
Ich hörte schon mal im Kollegenkreis die Aussage „Reiche bekommen Burnout, Arme Depression“. Ich finde diese Aussage unhaltbar. Auch wenn abgrenzende Kriterien noch in Vorbereitung sind, ist es nicht das Gleiche.

KnowHowNow
Hat die Erkrankung gravierenden Einfluss auf das soziale Leben des Betroffenen?

Dr. Lars Pracejus
Selbstverständlich führen Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Antriebsmangel dazu, dass Aktivitäten reduziert werden. Leider werden dann gerade jene Lebensbereiche beschnitten, die eigentlich ein guter Ausgleich wären: Sport, Freizeit, Treffen mit Freunden.

KnowHowNow
Inwiefern kongruieren die Behandlungsmöglichkeiten von Burnout mit denen von Depressionen? Kann man bei den genannten Unterschieden der Erkrankungen auch von Gemeinsamkeiten sprechen?

Dr. Lars Pracejus
Ja, es gibt einige Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Jemanden, der ausgebrannt ist, kann ich initial in den Urlaub schicken. Das reicht dann zwar noch nicht als Therapie, wirkt aber erst mal als Puffer und Möglichkeit zum Innehalten. Einen Depressiven schickt man nicht in den Urlaub, denn seine Depression würde mit ihm reisen.

KnowHowNow
Existieren neben medikamentösen Behandlungen auch weitere Optionen für Betroffene?

Dr. Lars Pracejus
Gerade die medikamentöse Behandlung bringt die Gefahr, dass Pharmaka zur Leistungssteigerung genommen werden, das Verhalten aber das gleiche bleibt. In unserer Gesellschaft herrscht eine konsumatorische Haltung, in der geglaubt wird, man könne schlicht von außen etwas zuführen und müsse das Verhalten nicht ändern. Das ist ein Trugschluss. Verhaltenstherapie und kognitive Umstrukturierung irrationaler Gedanken müssen Hand in Hand gehen.

KnowHowNow
Sind bereits behandelte Patienten nach erfolgreicher Therapie anfälliger für eine erneute Erkrankung als jene, die noch nie unter Burnout gelitten haben?

Dr. Lars Pracejus
Mir liegen dazu keine Statistiken vor, aber im Rahmen einer Psychotherapie sollte der Patient für die Gefahren, wieder ins das alte Verhaltensmuster zu rutschen, sensibilisiert werden. Idealerweise wird er danach nicht so leicht rückfällig.

KnowHowNow
Herr Dr. Pracejus, vielen Dank für Ihre Ausführungen zum Thema Burnout-Syndrom und Depressionen!

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Im Gespräch Dr. Lars Pracejus. Praxis: Südanlage 12, 35390 Gießen. Diplom-Psychologe
aus Gießen und Spezialist für Psychotherapie und Hypnotherapie, Hessen. Promotion (rer.
nat.) und Studium der Psychologie und Medizin an der Justus Liebig Universität Gießen.

Interviewkennung bei Rückfragen an KnowHowNow: med/0011

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